Chronik

Röhlingen ist ein Teilort der Stadt Ellwangen an der Jagst im Ostalbkreis, nahe der Grenze zu Bayern. Das ca. 3500 Einwohner zählende Dorf bietet, mit seinen 17 örtlichen ereinen, eine Vielzahl von Aktivitäten an.
Ein nicht mehr weg zu denkender Teil dieser sehr aktiven Dorfgemeinschaft ist die Faschingsgesellschaft „Röhlinger Sechtanarren“.
Die Faschingsaktivitäten beschränkten sich bis zur Mitte der 60er Jahre auf herkömmliche Faschingsbälle mit Blasmusik und Schnitzelbank in den damals noch zahlreich vorhandenen Gastwirtschaften. Durch die Einführung des Fernsehens und das bekannt werden neuer Musikrichtungen, wie Rock- und Popmusik, verlor vor allem die jüngere Generation das Interesse am Fasching und in den Dörfern kehrte zur Fastnachtszeit die Einsamkeit ein. Auch in Röhlingen war das so.

Eine Ausnahme war der Gumpendonnerstag an dem der Reit- und Fahrverein Röhlingen seinen traditionellen Faschingsball mit “Heißer Musik“ veranstaltete, der vor allem bei der Jugend einen sehr guten Anklang fand.
Somit wurde das Interesse am Fasching in Röhlingen wieder geweckt und auf Initiative des Franz Mündl trafen sich einige Bürger im Dezember 1969 im Gasthaus “Traube“ und beschlossen, am Faschingsdienstag 1970 einen Faschingsumzug mit anschließenden “Kehraus-Tanz“ in Röhlingen durchzuführen.

Nachdem der Bürgermeister die Zusage gab, daß die Gemeinde Röhlingen die Versicherung für den Umzug übernahm, fand der Umzug statt. Es nahmen 13 Gruppen am Umzug durch Röhlingen teil, der bei der Bevölkerung sehr gut ankam. Der Kehraus-Tanz im Kronensaal war gut besucht. In der Nachsitzung am 25. Februar 1970 in der Krone wurde nach längerer Debatte mehrheitlich beschlossen, einen Faschingsverein zu gründen.

Bei dieser Gründungsversammlung wurde Franz Mündl zum 1. Vorsitzenden, Anton Gerold zum 2. Vorsitzenden, Leonhard Abele zum Kassierer und Paul Weiß zum Schriftführer gewählt. In den Ausschuß bzw. als Elferräte wurden Gisela Rieger, Blasius Abele jun., Ulrich Bahle, Willi Burgert, Josef Eiberger, Klaus Eiberger, Franz Hauber, Leo Lachnit, Karl Lingel und Franz Reiter gewählt. Bei der Namensfindung für den neuen Verein wurde von Luise Abele der Vorschlag “Sechta-Narren“genannt und man einigte sich schließlich auf “Faschingsgesellschaft Röhlinger Sechtanarren“.
Um den Verein zu finanzieren wurden übers Jahr verschiedentliche Tanzveranstaltungen durchgeführt.
Am 11. November 1970 wurde, mit Franz Hauber und Gisela Rieger, das 1. Prinzenpaar gewählt. Die erste “Festsitzung“ wurde am 20. Februar 1971 im Kronensaal abgehalten. Dort wurde ein buntes Programm mit Schunkelliedern, Witzen, Büttenreden und Tänzen geboten.
Im Jahr 1971 bildete sich eine Frauengymnastikgruppe, die von da an bei den Festsitzungen auftrat.

Ab 1974 wurden die Prunksitzungen in der neu errichteten Sechtahalle abgehalten. Es wurde unter Mitwirkung des Ellwanger Künstlers Knödler mit großem Aufwand eine Hallendekoration hergestellt. Das Vereinswappen wurde entworfen und das Präsidium und der Elferrat wurde mit neuen rot / blauen Smokings eingekleidet.
An dieser ersten Prunksitzung in der neuen Gemeindehalle wurde ein Programm bestehend aus 20 Auftritten geboten.
Durch das Wunderle-Sextett wurde der Röhlinger Narrenruf “Hellau, Alaaf und Heidenei“ kreiert und durch Willi Bröckel erstmals die Abkürzung “Rö-Se-Na“ auf der Schnitzelbank angebracht. Diese Abkürzung wurde dann zum neuen Erkennungszeichen des Vereines.
Die Prinzengarde, die bisher zur Landjugend gehörte, wurde vom Verein übernommen.
Bei der Prunksitzung 1975, mit einer Sonderbesetzung der Röhlinger Musikkapelle, löste Helmut Thoma den 1. Präsidenten, Franz Mündl als Elferratspräsident ab.

Bei dieser Prunksitzung wurde mit dem RöSeNa-Taler erstmals auch ein Orden verliehen und das später sehr bekannte RöSeNa-Quintett mit Alois Brenner, Alfred und Franz Landkammer, Kurt Schlosser und Lothar Papert traten als Snobisten das erste Mal bei einer Prunksitzung auf. Seine Uraufführung hatte an diesem Abend auch der, von Lothar Papert getextete und komponierte RöSeNa-Schlager “Denn wir haben ja die RöSeNa“ , der durch das Quintett vorgetragen wurde.

Diese Sitzung war der Durchbruch, denn es traten nur Aktive aus Röhlingen während des 3-stündigen Programms auf.
Im März 1975 stellte die Gesellschaft der Röhlinger Sechta-Narren den Antrag um Aufnahme in den Landesverband Württembergischer Karnevalsvereine (LWK) und wurde daraufhin als 52. Mitglied im Juli 1975 aufgenommen.
Im Laufe des Jahres wurde die erste Kindergarde gegründet, deren Ausbildung Monika Papert übernahm.
Nachdem die Röhlinger Prunksitzung immer größeren Anklang fand und von Jahr zu Jahr immer mehr Gäste keine Eintrittskarten mehr bekamen, wurde ab der Saison 1982 eine zweite Prunksitzung abgehalten, nach dem mittlerweile auch diese zweite Prunksitzung jedes Jahr schon nach dem Vorverkauf komplett ausverkauft ist wird es in Röhlingen ab der Saison 2004 eine dritte Prunksitzung geben.

Ebenfalls im Jahr 1982 wurde die erste Brauchtumsgrppe der RöSeNa, die „Strohbären“ auf Initiative von Präsident Franz Mündl gegründet.

Die Figur des Strohbären findet seinen Hintergrund in grauer Vorzeit, dort wurde die Wintersonnwende als großes Fest gefeiert. Man vertrieb, in Stroh gehüllt, böse Geister und Krankheiten. Der Winter, der dem Frühling weichen soll, wurde mit dem Strohbären ausgetrieben. Stroh und Bär stehen für Wärme und Stärke.
Die Strohbärengruppe besteht momentan aus zwei Strohbären die von mehreren Treibern und Zigeunerinnen sowie einem Trommler begleitet werden. Häs, Kopf- und Gesichtsbedeckung besteht ausschließlich aus handgedroschenem Stroh. Der Strohbär trägt Strohschuhe.

1983 gab es zum ersten mal eine Kinderprunksitzung und ein Kinderprinzenpaar.
1986 trat erstmals ein reines Männerbalett auf. Seit dort ist das RöSeNa Männerbalett nicht mehr aus den Prunksitzungen und dem Vereinsleben wegzudenken.
Die Garden beteiligten sich ab 1988 regelmäßig an den Gardetreffen der Faschings- und Karnevalsvereine des Ostalbkreises.

“ 20 Jahre RöSeNa“ - unter diesem Motto stand das Jahr 1990. Die beiden Prunksitzungen waren je eine 200-Minuten-Non-Stop-Show mit vielen Glanzpunkten. Dabei trat das sehr bekannte RöSeNa-Quintett nach über 16 Jahren zum letzten Mal öffentlich auf.
Der Präsident Franz Mündl wurde mit dem höchsten Orden des LWK - Hirsch am Goldenen Vlies - geehrt.
Die Strohbärengruppe wurde als Brauchtumsgruppe durch den LWK anerkannt.

Im Mai 1992 übergab der bisherige 1. Präsident Franz Mündl die Führung des Vereins an den bisherigen 2. Präsidenten Dieter Papert und wurde danach zum Ehrenpräsidenten der RöSeNa ernannt.
Als weitere Steigerung der Aktivitäten war die Einführung einer Seniorenprunksitzung im Jahr 1993, bei der neben der einheimischen Bevölkerung auch Bewohner der umliegenden Alten- und Pflegeheime anwesend waren.
Im Jahre 1994 wurde die Bühne völlig neu gestaltet und mit einem Bühnenbild versehen. Das 5-Stunden-Non-Stop-Programm mit den verschiedensten Darbietungen der Garden, Büttenrednern, Show- und Gesangseinlagen bereiteten den Besuchern viel Freude und Unterhaltung und die einhellige Meinung war dabei - Röhlingen ist eben wirklich eine Faschingshochburg.
Im Jahr 1995 beging der Verein sei 25-jähriges Jubiläum. Die 1. Garde nahm im Januar erstmals an den Württembergischen Meisterschaften der Garden in Waiblingen teil. Die RöSeNa richtete das alljährliche Gardetreffen der Faschings- und Karnevalsvereine aus, an dem über 26 Garden und Gruppen teilnahmen.

Das Wilde Heer

Im Jahr 1997 wurde mit der Gründung einer zweiten Brauchtumsguppe ein lang gehegter Traum des Ehrenpräsidenten Franz Mündl wahr. Eine Gruppe faschingbegeisterter Röhlinger schloß sich zusammen und gründete die Maskengruppe „Der grüne Jäger und das Wilde Heer“. Die Gruppe wird noch im selben Jahr vom LWK anerkannt.

1998 wird der bisherige Vizepräsident Peter Hipp zum Präsidenten gewählt ein Jahr später wird der bisherige Präsident Dieter Papert zum Ehrenpräsidenten ernannt.
Nachdem Präsident Peter Hipp sich nach 2- jähriger Amtszeit nicht mehr zur Wahl stellt, übernimmt der langjährige Aktive Kurt Schlosser als 4. Präsident in der Geschichte der RöSeNa, ab dem Jahr 2000 die Leitung des Vereines.

Unter seiner Führung wird ein vormals gewerblich genutztes Gebäude zum Vereinsheim „Narrenstall“ umgebaut. Dort befindet sich ein Proberaum für die Garden ein Sitzungs- und Aufenthaltsraum sowie verschiedene Arbeits- und Lagerräume.

Narrengericht

Seit 1999 wird in Röhlingen die fast schon vergessenen Tradition des Narrengerichtes wieder gepflegt. Eine Gruppe bestehend aus Mitgliedern der Maskengruppe „das Wilde Heer“ führt jeweils am vormittag des Faschingsdiestages diese närrische Gerichtsverhandlung durch. Von Richter, Ankläger und Verteidiger werden pro Verhandlung 4-5 Angeklagte abgeurteilt. Die Angeklagten sind durchweg bekannte zum größten Teil im öffentlichen Leben des Dorfes oder der Stadt Ellwangen stehende Persönlichkeiten, welche ob ihrer Unzulänglichkeiten und ihrer Unfähigkeit öffentlich angeprangert werden. Diese Gerichtsverhandlungen erfreuen sich heute eines sehr großen Interesses beim Publikum. Der Sitzungssaal im Vereinsheim ist schon lange Zeit vor Beginn der Verhandlung bis zum letzten Platz besetzt.

33 Jahr RöSeNa

In der Saison 2003 beging der Verein sein 33-jähriges Jubiläum mit verschiedenen Aktivitäten und Veranstaltungen. Der Höhepunkt war das 3-tägige Sommerfest das unter dem Motto „Samba an der Sechta“ stand.
In einem 2.500 Personen fassenden Festzelt mit Swimmingpool, Poolbar und Palmen wurde ein Südamerikanisches Ambiente vermittelt. Am Freitagabend wurde im Rahmen eines Vereinsabends anhand einer Fotopräsentation auf einer Großleinwand an die vergangenen 33 Vereinsjahre erinnert. Am folgenden Tag stieg dann die große Samba Nacht. Hier brachte eine 17-köpfige Show- und Musiktruppe aus Brasilien das vollbesetzte Zelt zum Kochen. Ein weiterer absoluter Höhepunkt war der Jubiläumsumzug, der ebenfalls unter dem Motto „Samba an der Sechta, Sommer, Sonne, Party“ stand. Ca. 60 Gruppen präsentierten sich mit bunten sommerlichen Kostümen, phantasievollen Wägen und heißer Musik. Dieser wohl in seiner Art einmalige Umzug lockte an die 10.000 Besucher nach Röhlingen, wo nach dem Umzug noch bis in die Nacht hinein gefeiert wurde.

Heute besteht der Verein aus ca. 350 Mitgliedern wovon bis zu 150 aktiv auf der Bühne die Prunksitzungen bestreiten.

Peter Bauer, August 2003