Freitag, 16. Februar 2007 - SCHWÄBISCHE POST
 
 

RÖHLINGER SECHTA-NARREN / Premiere vor ausverkaufter Halle

Mit Volldampf in die Fasnet

Deftig die Büttenreden, ein Augenschmaus die Garden: Bei der Premiere der Prunksitzung der Röhlinger Sechta-Narren haben die Akteure alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um die Gäste kurzweilig zu unterhalten.

 
 
ELLWANGEN-RÖHLINGERN Das Licht geht aus. Der Mundharmonikaspieler aus dem Italo-Western "Spiel mir das Lied vom Tod" sorgt für Gänsehaut im Saal, als drei dunkle Gestalten die Bühne in der Röhlinger Sechtahalle betreten: Adam Cartwright (Lisa Bühler), Little Joe (Franz Rieger) und Hoss Cartwright (Manuela Huppenberger). Letztere hätte gerne den Pa Ben gespielt, "weil ich mit Dicken doch keinerlei Ähnlichkeiten habe". Der Saal tobt, der Witz saß, wie alle anderen auch bei der Prunksitzungs-Premiere der Röhlinger SechtaNarren am Mittwochabend.
 

Die Cartwrights, hinten der untergewichtige Hoss.
 
Kurt Schlosser, Präsident der Röhlinger Sechta-Narren (RöSeNa), eröffnete den Abend: Alle drei Sitzungen (Mittwoch, Freitag und Samstag) sind ausverkauft. Zum Teil saßen die Leute rund um die Uhr für die Karten an. "Das gibt es nur in Röhlingen", sagt Schlosser.
Franz Schwarz und Peter Bauer führten als Sitzungspräsidenten souverän durch den Abend. Schwarz nahm es locker, dass er immer wieder einen Seitenhieb einstecken musste: Er hatte die Garage der RöSeNa zu klein geplant, nun passt ihr Umzugswagen nicht hinein. "Man sollte eben doch mit dem Meterstab und nicht mit Bierflaschen messen", empfahl Hilde Gerold als Putzfrau der neuen Halle, die von den RöSeNa und dem FC Röhlingen in Eigenregie gebaut wird. Ihre Kollegin, Beate Rathgeb ist überzeugt, das habe nichts mit dem Messen zu tun: "Der Hänger vom Franz ist halt einfach zu lang." Und sollte Paul Rup, der Vizechef vom FC Röhlingen, in den Himmel kommen, würde er vom lieben Gott sicher wieder auf die Erde geschickt, so Rathgeb weiter: "Schaff du erst mal alle Stunden, die du in das Arbeitsbuch für dich eingetragen hast, und komm dann in hundert Jahren wieder", lautete der göttliche Rat.
 

Einfach goldig: die Röhlinger Garden.
 
Neue Kräfte, alte Hasen

Ann-Kathrin Riethmüller stand zum ersten Mal auf der Bühne und berichtete von ihren Erfahrungen aus der Tanzstunde und wie sie sich männliche Trampeltiere, Klammeraffen und Schlaftabletten vom Körper hielt. "Gehst du zum Weibe, vergiss die Peitsche nicht", zitierte Büttenredner Franz Uhl den Philosophen Nietzsche: Erst nach der Heirat lerne man die Frau kennen.
Beim Auftritt des Musikvereins sang Alois Seibold den Evergreen "Rosamunde". Auch auf den Sänger wurde zu diesem Zeitpunkt bereits scharf geschossen: Der Jäger ballere Schrotladung um Schrotladung auf Enten, treffe aber nicht eine einzige. Schwer getroffen gab sich Josef Sinder: "Nach acht Tagen Kur hatte ich bereits zwölf Kilogramm zugenommen", klagte der Kurgast, der zum Abnehmen nach Bad Überkingen gereist war. Aber nicht mit der Bahn, denn "die haben im vergangenen Jahr zehn Prozent ihrer Fahrgäste verloren".
Manuel Schlotter und Tobias Landkammer berichteten in der Schnitzelbank von allerlei Missgeschicken der Röhlinger Bürger. So drängte Ortsvorsteher Gerhard Aldinger darauf, dass an einem bestimmten Tag am Ortsausgang Richtung Zöbingen geblitzt würde. Der erste Raser auf dem Foto war er dann selbst... Doch mit dem vielen Verkehr durch die Ortschaft ist jetzt ohnehin Schluss: "Ich, Prinz Alois der Zweite, und meine Lieblichkeit, Prinzessin Angelika die Erste, haben die Hauptstraße für den Schwerlastverkehr gesperrt", verkündete der RöSeNa-Faschingsprinz der Saison 2007 in seiner Proklamation.
 

Bezaubernde Jeannies, aber wirklich!
 

INTERVIEW / Ein begeisterter Walter Stegmeier

Hier lebt der Fasching

Walter Stegmeier ist Ehrenpräsident des Landesverbandes Württembergischer Karnevalsvereine. Dem Verband gehören 155 Vereine mit rund 50 000 Mitgliedern an. Aber nicht überall wird Fasching wie in Röhlingen gefeiert.
SCHWÄBISCHE POST: Sie kommen viel herum, sehen zahlreiche Prunksitzungen. Was ist in Röhlingen anders?
Walter Stegmeier:
Vieles. In Städten wie Stuttgart oder Mannheim herrscht eine andere Art von Humor. Die Auftritte und Reden wirken gekünstelt, zum Teil auch, weil die Künstler gekauft sind. So etwas erlebe ich hier oder in Ellwangen nicht. Die Prunksitzungen der RöSeNa und auch der Virngrundnarren wirken herzlicher, familiärer. Hier wird der Fasching gelebt, nicht vorgeführt.
Woran liegt das?
Zurückzuführen ist das vor allem auf die Aktiven in den Vereinen. Bei den RöSeNa allen voran deren Präsident Kurt Schlosser. Er hat sich vor den Karren gespannt und zieht die RöSeNa und mit ihnen viele mit.
Was hat ihnen am besten gefallen in der Prunksitzung?
Die Büttenreden der Putzfrauen waren sagenhaft. Daran hat mir besonders gefallen, dass ihr Vortrag das Geschehen im Ort wiederspiegelt. Den RöSeNa wünsche ich alles erdenklich Gute und eine glückselige Fasnacht.
Interview: Peter Ilg / Foto: Franz Rathgeb

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