Dienstag, 21.02.2012 - SCHWÄBISCHE POST

„Realeg“ zeigt’s der Stadt

Prachtvolle Prunksitzung: Röhlinger Sechtanarren bringen fünfstündiges Spektakel auf die Bühne

Was für ein Spektakel: Gut fünf Stunden Programm hatten die Röhlinger Sechtanarren für ihre Prunksitzung auf die Bühne gebracht. Vom Neunjährigen allein auf der Bühne bei seiner Premiere in der Bütt, bis zur XXL-Garde mit 36 Mädels und Jungs. Tolle Kulissen, farbenfrohe Kostüme, heitere bis derbe Späße – und reichlich Schelte für die Ellwanger Städter. Showtänze, Garden, Sketche und viel Musik – Röhlingen feiert Fasching mit allem was dazu gehört.

Ellwangen-Röhlingen. Was war da los in der vollbesetzten Sechtahalle am Mittwochabend? Das fragte sich auch Franz Uhl, als er zum 20. Mal in die Bütt der RöSeNa-Prunksitzung stieg. Diesmal als Commander F. R. A. N. Z., der vom Planeten Ulandus 581 zur Erde fliegt, um die Menschen zu studieren, und prompt mitten in der Prunksitzung landet. Im Dialog mit der Basis – mit elektronischer Stimme von Ursula Uhl aus dem Off gesprochen – nähert sich der Commander den Bewohnern, die „sehr merkwürdig aussehen“. „Zischen und gurgeln“ rät ihm die Basis zur Kommunikation mit den Einheimischen. Franz Uhl kennt sein Publikum und erntet viele Lacher auf Kosten der Röhlinger.

Ausgeteilt wird später noch genug: Zielrichtung Ellwangen. Oberbürgermeister Karl Hilsenbek ist – selbstironischer Weise im doppelten Sinn – gleich in Sträflingsmontur gekommen. Er erträgt tapfer lächelnd, was ihm die Röhlinger von der Bühne aus deutlich sagen. Auf Biogasanlage, BAG-Debakel, Schließungs-Debatte um Kaserne und Gefängnis und Innenstadtsanierung schießen sie sich ein. Allen voran Beate Rathgeb, Manu Huppenberger und Lisa Bühler. „Schön, schöner, Realeg“ steigern die Grazien, als sie in Ellwangen sehnlich auf den Bus nach Hause warten. Das schönste an Ellwangen sei doch das Straßenschild, das den Weg nach Röhlingen weist, finden sie. Ihre Generalkanzel: „Ellwanga macht halt alles schea – schea bled.“

Alois Seibold und Wolfgang Schlotter von der RöSeNa-Band reimen: „Lieber Oberbürgermeister, ein Vorschlag hier – baut das Ding doch vor eurer Tür.“ Die Biogasanlage würde gut auf das Bundeswehrareal passen.

Genug der Abrechnung, vergnügliches kommt nicht zu kurz: Helmut Flohr erzählt als lustiger Hoppes von den kleinen Unterschieden zwischen den Geschlechtern, die jeder kennt – aber nicht jeder so trefflich zu Papier bringt. Die Gesetze des Prinzenpaars Stephan I. und Susi I. zu Beginn sowie die Schnitzelbankverse, die Daniel Kurz und Tobias Landkammer am Ende vortragen, binden mit Lokalkolorit und Anspielungen auf große und kleine Missgeschicke der Röhlinger den roten Faden ums Gesamtpaket.

Vor der Pause gehört die Bütt den Jüngeren: Ann-Kathrin Riethmüller und Sophie Wünsch erzählen ohne Blatt vorm Mund von Erlebnissen rund ums erste Date. Johannes Gold, Jean-Luc Scheibli und Maximilian Maile verarbeiten pro und contra eines 20:8-Mädchenüberschusses in der Tanzstunde. Extra Lob verdient sich Julius Hillebrand, der in Reimen davon träumt, was wär, „wenn ich ein Prinz wär“. Textsicher und mit Sprachgefühl beeindruckt der Siebenjährige bei seiner Bühnenpremiere.

Absolut beeindruckend sind auch Darbietungen und Kulissen der Showtänze der Garden: Die Erste Garde macht in Hawaishirts und Badeshorts „Urlaub am Meer“. Mit nach Amerika nimmt die Prinzengarde ihr Publikum, als sie in „Viva Las Vegas“ Elvis Presley aufleben lässt. Spanisches Temperament beweist die Jugendgarde bei „Die Maske des Zorro“ und die Kindergarde lässt kunstvoll Quallen tanzen. Und natürlich zeigen alle auch ihr klassisches Können. Das Männerballett brilliert mit einem Stammestanz dunkelhäutiger Maskenmänner auf der Insel „Unga Katunga“. Allesamt zeigen die Herren ihre große Kreativität und ihre Freude am Tanzen. Mit Raketen-Jubel dankt das Publikum, die Garden geben das Lob an ihre Trainerinnen weiter. Ihre Klasse beweist auch die hochdekorierte Tanzformation „WoMansWork“ mit ihrer Brake-Dance-Choreografie.

Musikalisch bereichern „Nimm 2 und die Schwestern“ mit ihrer „Bavarian Xangsmusik“ – bayrisch-lateinischen Wechselgesängen – die Sitzung. Die Guggen der „Röhling Stones“ feuern ein krachendes Blechklanggewitter ab und die RöSeNa-Band bringt Blasmusik zum Schunkeln ans Ohr. Die bunt verkleidete Feiergemeinde, viele Ehrengäste und andere Narrenzünfte werden von den Präsidenten der RöSeNa Hermann Fischer und Peter Bauer begrüßt, die Sitzungspräsidenten Franz Schwarz und Roland Brenner führen mit Witz und Charme durchs – vielleicht doch etwas zu lange, wenn auch nie langweilige – Programm; immer pünktlich unterstützt von der Sitzungskapelle „Tonics“ und der Requisiten- und Technikcrew hinter der Bühne. So begeistern die Röhlinger ihre Gäste und setzen einen imposanten Start in die Faschingswoche 2013: Helau, Alaaf und – Heidenai!

© Schwäbische Post 08.02.2013