Dienstag, 21.02.2012 - SCHWÄBISCHE POST

„Todbringende Kettensägen geklaut“

Das Röhlinger Narrengericht des Wilden Heeres tagt zum 15. Mal im vollbesetzten Narrenstall der Mühlbachhalle

Am Faschingsdienstag tagte zum 15. Mal in Folge das „grobgünstige Narrengericht“ des „Wilden Heeres“ der Röhlinger Sechtanarren (RöSeNa). Bei der Verhandlung wurden drei der vier Hauptangeklagten sowie ein weiterer Missetäter für schuldig befunden.

Ellwangen-Röhlingen. Das „grobgünstige Narrengericht“ des „Wilden Heeres“ musste sich im 15. Jahr seines Wirkens mit „unglaublichen Fällen“ befassen. Hinzu kam, dass einer der Angeklagten flüchtig und in der Kernstadt untergetaucht war. Doch die Narrenpolizei (NaPo) leistete Amtshilfe und führte Bürgermeister Volker Grab vors Gericht. Grab habe „dem Karle den Floh einer stinkenden Biogasanlage ins Ohr gesteckt“, entlang der Sechta alle Sträucher „niedergemetzelt“ und dort einen Biber ausgesetzt. Ferner habe er bei einer S21-Demo in Stuttgart „zwei Todbringende Kettensägen geklaut“. Mit diesen soll der Bauhof die Kastanien am Marktplatz fällen. Dabei sollten seine „grünen“ Kumpane dort in Baumhäusern sitzen.

Volker Grab meinte „Walter Schlotter hat heute die grüne Jacke an“. Die Birken entlang der Sechta habe der Ortsvorsteher wegen seiner Photovoltaikanlage gefällt. Dennoch wurde Grab verurteilt. Er muss beim nächsten Maibaumfest Gedichte und Volksweisen (wie beispielsweise „Mein Freund der Baum ist tot“) vortragen. Das „Badener Lied“ darf er mit dem Staatsanwalt anstimmen.

Josef und Ulrike Thomer würden ihren Hof zu einer Hochsicherheitsfestung ausbauen. Nach „extrem gefährlichen Kampfpferden“ habe sich das Paar einen russischen Kampfpanzer gekauft. Das habe es in der knapp 1250-jährigen Geschichte Röhlingens noch nicht gegeben, urteilte der „brutalst aufklärende Staatsanwalt“ Peter Bauer. Mit dem Geld hätten sie besser die Raiffeisen-Idee neu aufleben lassen und die örtliche BAG zu neuem Leben erwecken können. „Röhlingen kommt von Rohlingen“, erklärte Verteidiger Ludwig „von der Schmiede“ Kurz. Er hob die Vorteile des Panzers hervor. Wenn die Ellwanger Brauerei platt gemacht wird, seien zwei Probleme in einem Aufwasch erledigt: Das Kopfweh nah dem Biergenuss und der Bierliefervertrag in der Sechtahalle.
Wegen „Besitz schwerer Kriegswaffen“ erging folgendes Urteil: Die beiden müssen ein Friedensfest nach Woodstock-Manier veranstalten.

Der Schulsekretärin Petra Wenhuda wurde „aktive Mithilfe zur Hauptschulschließung“ vorgeworfen. Dabei hätte sie nur bei einem „BAG-Prokuristen schauen müssen, wie man Zahlen manipuliert“. Die Röhlinger seien „zu faul zum Kinder machen“, erwiderte Wenhuda. Sie forderte wie in Ellenberg die „Ausschreibung einer Sprungprämie“. Die Röhlinger seien mit ihrer „Ein-Kind-Politik“ selbst schuld, urteilte Richter Wolfgang „der Gnadenlose vom Russenbuckel“ Wagner und sprach sie frei.

Peter Grimm, stellvertretender Marktleiter im Kaufland, habe selbiges zu einem „Irrgarten mit Tiefkühlzone“ umgebaut. Bereits im Vorfeld habe Grimm die Röhlinger Geschäfte ruiniert, damit er jetzt im „Kaufland-Irrgarten“ die Röhlinger Hausfrauen „in den Wahnsinn treiben“ und eine für sich gewinnen könne. Grimm wollte sich, so Wagner, mit einem Auszug aus „Grimms Märchen“ rausreden. Dennoch wurde er schuldig gesprochen. Er muss 15 Röhlinger Hausfrauen beim Einkauf assistieren.

In einem Eilverfahren wurde Günter Gerold sen. angeklagt. Er sollte mit dem Elferrats-Wagen einen Faschingsumzug anführen. Doch „der orientierungslose Greis hat sich in der Großstadt gnadenlos verlaufen“, der Umzug in Herlikofen konnte erst mit 15-minütiger Verspätung beginnen. Gerold wurde in Abwesenheit zur sofortigen Zahlung einer Kiste besten Schaumweines verurteilt.

© Schwäbische Post 13.02.2013