Mittwoch, 25.02.2009 - SCHWÄBISCHE POST
 
  Narrengericht straft alle Angeklagten

Jubiläum: Im Narrenstall der RöSeNa findet die 11. Verhandlung des Röhlinger Narrengerichts statt

Zum 11. Mal in Folge hat am Fasnachtsdienstag das „grobgünstige“ Narrengericht des „Wilden Heeres“ der Röhlinger Sechtanarren (RöSeNa) getagt. Bei der Verhandlung wurden alle fünf Angeklagten für schuldig befunden und entsprechend bestraft.
 
 


Da staunte der Zeltverleiher Günter Gerold: Das Hohe Gericht
(von links: Peter Bauer, Peter Müller und Ludwig Kurz) zückte ein Beweisstück. (Fotos: Rathgeb)
 
Ellwangen-Röhlingen. Rufe wie „schuldig“ und „verbrennen“ hallten auch bei der 11. Verhandlung des Narrengerichts durch den vollbesetzten Narrenstall. Mit fünf Angeklagten hatten der Vorsitzende „Richter Gnadenlos“ Peter Müller, der „brutalst aufklärende Staatsanwalt“ Peter Bauer und der Pflichtverteidiger Ludwig Kurz eine umfangreiche Tagesordnung abzuarbeiten. Was den Angeklagten zur Last gelegt wurde, war nicht von „Pappenstiel“.
Dass der „kriminelle Sumpf Röhlingen“ trotz des seit elf Jahren tagenden Gerichts nicht versiegt, war am Beispiel des Angeklagten Ralf Hauber zu erkennen: Der Staatsanwalt machte in seiner Anklage deutlich, dass Hauber das vom Ortsvorsteher „geplante Gefüge“ durcheinanderbringe und sich weigere, die bewohnte Jugendhütte an „echte Jugendliche“ abzutreten. Seinem Alter entsprechend sollte er ein „Häusle“ bauen und eine Familie gründen, befand Bauer.
Der Verteidiger Kurz urteilte, dass es sich hier um ein generelles Problem handele. Dadurch drohe mittlerweile das Aussterben der Menschheit. Damit der Angeklagte dem entgegenwirken könne, müsse er freigesprochen werden. Der Richter wertete Haubers Verhalten jedoch als Verstoß gegen den Generationenvertrag und verdonnerte ihn dazu, dass er den Faschingsumzug 2010 mit einem Kinderwagen anführen müsse.
 


Auch Kreisbrandmeister Otto Feil und...
 
Den Sechtafegern der RöSeNa (vertreten durch Petra Heinisch, Martina Maile und Karin Scheibli) wurde zur Last gelegt, dass sie eine illegale Altpapiersammlung durchgeführt hätten. Der auf dem Schwarzmarkt verhökerte Rohstoff sei dem Wilden Heer entzogen worden, das dadurch in eine finanzielle Notlage geraten sei. Zur Wiedergutmachung mussten die Sechtafeger eine Kiste Schaumwein zahlen.
„ In vollem Umfang“ für schuldig befunden, wurde auch Maria Mayer vom Frauenchor. Sie habe „fromme Kirchgänger eiskalt vernachlässigt“ und ihnen unter Zuhilfenahme von „klerikalem Strom“ in einem „weltlichen Glühweinkessel“ kalten Glühwein verabreicht. Zur Strafe muss Mayer beim nun nächsten Narrenbaumaufstellen heißen Glühwein servieren.
Dem Kreisbrandmeister Otto Feil warf das Gericht vor, dass er seine Aufsichtspflicht verletze und damit die Floriansjünger demoralisiere: Es könne nicht sein, dass die Feuerwehr in Röhlingen eifrig zur „bürgerlichen Selbsthilfe“ greife, während die Dalkinger Kollegen nur noch „Pflichtaufgaben“ verrichten. „Richter Gnadenlos“ sah aber zumindest die Chance, dass beim Auflösen der Abteilung Dalkingen eine Batterie für das Röhlinger Feuerwehrauto abfallen könnte. Da Feil außerdem geduldet hatte, dass der Röhlinger DRK-Ortsverein bei einem Besuch im Ellwanger Florianheim sprichwörtlich auf dem Trockenen saß, muss Feil dem DRK eine „Kisten guten Wein“ spendieren. Von der Qualität des guten Tropfens will sich das hohe Gericht dann selbst überzeugen.
 


Maria Mayer wurden angeklagt.

 
Der „vorsätzlichen Sachbeschädigung“ für schuldig befunden, wurde der „Sprudelverhökerer“ Günter Gerold. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Zeltverleiher am Fronleichnamstag seine frisch gestrichenen Bierbänke vermietete und deshalb die Gäste ihre Kleidung einfärbten. Gerold versuchte vergeblich, die Schuld dem König der Schwarzarbeiter, Josef „Schuahbaschde“ Rupp, in die Schuhe zu schieben. Der Richter zückte als unwiderlegbares Beweisstück eine verfärbte Reiterhose vor und verpflichtete den Getränkehändler beim nächsten Kirchenfest ein kostenloses Zelt zu liefern.
Die Bratwurst- und Krautmusikanten umrahmten die Gerichtsverhandlung musikalisch, der langjährige Videofilmer Willi Pollet wurde für sein elfjähriges Engagement geehrt. Bereits im Vorfeld waren die Angeklagten – begleitet von den Dominos des Musikvereins – öffentlich durchs Dorf gekarrt worden.

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