Donnerstag, 03.03.2011 - SCHWÄBISCHE POST - Peter Ilg

 

Pfahlheims stinkendes Attentat


Die Röhlinger Sechtanarren zeigen große Unterhaltungskunst bei der RöSeNa-Prunksitzung in der Sechtahalle

Die Röhlinger Sechtanarren hatten am Mittwoch zur ersten von drei Prunksitzungen geladen. Die Sechtahalle war proppenvoll, die Bütten kurz und lustig, die Gardemädchen ein Augenschmaus – und das Publikum begeistert.


„Eheberater“ Franz Uhl band das Publikum in seine „Gruppentherapie“ ein.

Ellwangen-Röhlingen. Das mit den Eintrittskarten zur Prunksitzung der Röhlinger Sechtanarren ist schon etwas ganz Spezielles: Bereits freitags stehen Interessenten an, um samstags zu den Glücklichen zu gehören, die einen Platz ergattern. Beim Ansitzen wird geschichtet, man versorgt sich wechselseitig mit Essbarem und rätselt, was die Röhlinger Sechtanarren, kurz RöSeNa, wohl bieten werden. Das ist eigentlich schon der Beginn der Sitzung.
Am Mittwoch Abend löste sich die Spannung: Pünktlich um 19 Uhr fängt er an, der Karneval an der Sechta. Und alle im Saal lassen sich mitreißen von den wunderbaren Garden mit tollen Choreografien und witzigen Büttenreden. Durch das Programm führt in bewährter Manier das Duo Peter Bauer und Franz Schwarz, die Proklamation verlesen Prinzessin Anika I und Prinz Tobias I.
Die Vorstellung beginnt gleich mit der Premiere der Minigarde. Die Jüngsten der RöSeNa stehen zum ersten Mal auf der Bühne und die 21 süßen Mädels machen ihre Sache perfekt. Die Garden der Rösena sind das Prunkstück des Vereins. Ob Mini-, Kinder-, Jugend- oder Prinzengarde: was die Mädchen zeigen, ist große Unterhaltungskunst.

Ann-Kathrin Riethmüller stieg als „Mädle vom Land“ in die Bütt.

Die Vorstellung beginnt gleich mit der Premiere der Minigarde. Die Jüngsten der RöSeNa stehen zum ersten Mal auf der Bühne und die 21 süßen Mädels machen ihre Sache perfekt. Die Garden der Rösena sind das Prunkstück des Vereins. Ob Mini-, Kinder-, Jugend- oder Prinzengarde: was die Mädchen zeigen, ist große Unterhaltungskunst.
Die drei Lausbuben Johannes Gerold, Jean-Luca Scheibli und Maximilian Maile holen Leonhard Abele stellvertretend für den Elferrat auf die Bühne und nehmen einen Denk- und Fitness-Test vor. Jean-Luca, im Ministrantenkleid, verkündet das Resultat: „Gott liebt alle, auch die, die schwach sind an Körper und Geist.“ Ann-Kathrin Riethmüller steigt als Mädle vom Land in die Bütt. „Wissen Sie eigentlich, woran man einen Bauern beim Autofahren erkennt?“, fragt sie in den Saal und schiebt die Antwort gleich nach: „Die fahren im Ort 80, weil es dort für sie nichts Wichtiges zu sehen gibt, und auf der Landstraße 30, um die Felder anzuschauen.“ Zünftig geht es auch beim Auftritt von „Nimm 2 und die Schwestern“ zu. Das singende Quartett steht als Wanderer auf der Bühne und präsentiert den Refrain vom „Jäger aus der Kurpfalz“ gleich in acht Sprachen. Einfach toll.

Andrea Fischer und Bettina Salvasohn alias „Kächale“ und „Schächtale“.

Andrea Fischer alias Kächale und Bettina Salvasohn alias Schächtale begrüßen den Röhlinger Ortsvorsteher Peter Müller als „Burger-King from Röhlingen“. Mit vielen englischen Schlagwörtern sorgen sie für herzhafte Lacher. Dann die Prinzengarde mit ihrem Showtanz unter dem Motto „Chinese Dragons“. Allein schon die Kostüme, dazu die Choreografie, perfekt in Szene gesetzt durch Licht und Ton: geradezu fernsehreif. Auch der Showtanz der Kindergarde. Sie gibt den „Glöckner von Notre Dame“, begleitet von Anna Schmid auf der Geige. Als Eheberater kommt Franz Uhl. Sein Vortrag zeigt wieder einmal: in der Kürze liegt die Würze. Aber nach 18 Jahren auf der Bühne hat man auch die notwendige Routine. Und er verspricht: „Bis zur nächsten Gruppenstunde.“
Rainer Abele, Stefan Gerold und Friedrich Riethmüller werden mit dem großen Verdienstorden am Bande vom Landesverband Württembergischer Karnevalsvereine ausgezeichnet. Hermann Fischer bekommt das Großkreuz und Big-Mac Peter Müller den Brauchtumsorden in Gold. Dann ist kurze Pause.

Die Prinzengarde zeigte den Showtanz „Chinese Dragons“.

Unvermindert heiter geht es nach der Halbzeit weiter mit den Domios. Unter denen steckt der Musikverein Röhlingen. Ihm gelingt es mit einigen fetzigen Stücken, die Stimmung gleich wieder auf den Höhepunkt zu bringen. Mit „1000 Volt Strom“ setzt sich Marina Kurz in ihrer Bütt auseinander und stellt wegen der Fotovoltaikanlage ihres Vaters fest: „Seit wir die Platten auf dem Dach haben, hat der Wechselrichter mehr Bedeutung als ich.“ Deftig wird es mit „seller Schell“ (Manuela Huppenberger) und „d’r bleda Blodder“ (Lisa Bühler). Als Joggerinnen verkleidet nimmt das Duo so manchen Streich der Röhlinger Bürger auf die Schippe. Das löst Schadenfreude aus, und die kommt halt immer gut an. In diesem Genre sind die zwei kaum zu überbieten.
Die „Top-Hats“ machten ihrem Namen alle Ehre. In weißen Kapitänsanzügen singen die drei Abele Brüder Martin, Wilhelm, Karl-Heinz und Benjamin Brinner Hits aus den vergangenen Tagen und ehren die „Rösena, die Wunderbare“ auf musikalische Art und Weise. Einfach toll die Stimmen und der Auftritt des Quartetts. Auch sie verdienen sich eine Rakete mit Tusch. Der kommt von der Sitzungskapelle „Tonics“, die aufmerksam das Programm begleitet.

Der Kindergarde-Showtanz „Der Glöckner von Notre Dame“: phantastisch. (Alle Fotos: Franz Rathgeb)

Eine Prunksitzung ist keine Ein-Mann-Show. Es gehört schon viel mehr dazu, um eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen: eine geschmückte Halle, emsige Bedienungen, fleißige Helfer auf der Bühne, hinter der Theke oder für die Technik. Das alles schafft die RöSeNa mit eigenen Leuten. Auch diese Leistung ist einen Tusch wert.
Das Männerballett der Rösena tritt in diesem Jahr als Schweden-Mädels auf. In der Mitte der Bühne wird der Midsommerbaum aufgestellt, drum herum wird getanzt. Auch Michel aus Lönneberga ist da. Spitzbübisch spielt Florian Steiner diese Rolle und ist vom echten Michel kaum zu unterscheiden.
Wie schnell ein Mensch reden kann, überrascht immer wieder, wenn man Helmut Flohr zuhört. Der Büttenredner aus Bühlertann erzählt von seiner Silberhochzeit. „Hurra, ich lebe noch“, stellt er nach 25 Ehejahren fest. Daniel Kurz und Florian Schmid tragen die Missgeschicke der Röhlinger in ihrer Schnitzelbank in gesungenen Versen vor. Darin geht es auch um den Betriebsunfall in einer Biogasanlage, ein Attentat der Nachbarn aus Pfahlheim auf die Röhlinger: „Scheiße hens end Sechta kippt, ja Pfahlheimer sen ihrverrückt?“ Die Pfohlemer im Saal stecken den Seitenhieb gelassen und heiter weg. Ist ja Fasching!
Am Ende sorgten die Guggamusiker der Röhlingen-Stones für den stimmungsvollen Abschluss.


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