Donnerstag, 04.03.2014 - SCHWÄBISCHE POST

Post-Dominas und Bier-Monopole

Im vollbesetzten Narrenstall tagt zum 16. Mal das Röhlinger Narrengericht des Wilden Heeres

Am Faschingsdienstag tagte erneut das „grobgünstige Narrengericht“ des „Wilden Heeres“ der Röhlinger Sechtanarren (RöSeNa). Bei der 16. Verhandlung wurden drei der vier Hauptangeklagten sowie ein weiterer Missetäter für schuldig befunden.

Ellwangen-Röhlingen. Das war schon dreist, was sich die drei „Jungfern“ Daniela und Verena Schmid sowie Marina Kurz leisteten. Sie hätten sich in ketzerischer Absicht als ehrbare Sternsinger verkleidet und seien so von Haus zu Haus gezogen. Dabei hätten sie „abendländisches Brauchtum“ verunglimpft, schimpfte der Chefankläger, „Peter aus dem Badischen Bauer“. Im Vergleich dazu seien die Sängerinnen der russischen Band „Pussy Riot“ wahre Betschwestern. Das traditionelle Sternsingen unterliege einem Wandel, erklärte der Pflichtverteidiger, „Ludwig von der Schmiede Kurz.“. Eine seiner Mandantinnen sei auf dem Heimweg vom Club Seven in den Schmutz gefallen und deshalb als „Schwarze“ nach Hause gekommen. Zudem hätten zwölf Familien den Besuch der Damen verlangt.
„Richter vom Russenbuckel Wolfgang Wagner“ musste abwägen, ob er „eine irr gelaufene Herde schwarzer Schafe“ vor sich hat, oder ob die Angeklagten „religiöse Absichten vortäuschten“. Wagner sprach sie schuldig. Zur Strafe müssen sie am Festwochenende das Jubiläumsbuch der Ortschaft verkaufen

Dem Ellwanger „Bierbrau-Ingenieur“ Alexander Veit wurde „monopolistische Verhaltensweise am Bier trinkenden Volk zu Röhlingen“ vorgeworfen. Der Chef der Rotochsen-Brauerei habe in Persona des kleinen Fritz das schwächste Glied des Elferrats gebrochen. Und das nur, weil er auch die Mühlbachhalle anhand eines „Bier-Knebel-Vertrags“ beliefern will.
Den mit reinem Sechtawasser getauften Röhlingern wurde schon im Anna-Heim Rotochsenbier verabreicht, meinte Kurz. Dass die Rückflüsse aus dem Bierliefervertrag in die Stadtkasse fließen, habe der ehemalige Ortsvorsteher Gerhard Aldinger zu verantworten. Das zur Bierherstellung verwendete Felsquellwasser werde auf der Gemarkung Röhlingen gewonnen, meinte Wagner. Dennoch sprach er den Bier-Monopolisten in allen Punkten der Anklage schuldig. Veit muss das wilde Heer der RöSeNa durch seine Felsenkeller führen.

Dem „Badewannen-Kapitän“ Hannes Liesch wurde „verantwortungsloser Umgang mit Passagieren“ vorgeworfen. Liesch habe bei einer Floßfahrt auf der Isar Leib und Leben seiner Mitfahrer und den „von tätowierten Seefahrern träumenden Frauen“ riskiert, klagte Bauer. „Frösche suchen gerne Feuchtgebiete auf“, sagte der Verteidiger in Bezug auf die Herkunft seines Mandanten. „Es gab keine Toten und Verletzten“. Eigentlich müsste die Sache vorm Schifffahrtsgericht verhandelt werden, befand Wagner. Weil Liesch mehrfach Kreuzfahrtschiff erprobt ist, verkündete er folgendes Urteil: Liesch muss seine Guggenmusiker beim RöSeNa-Umzug 2015 als Froschkönig anführen.

Zudem wurde der „von Zöbingen integrierte Postler“ Leonhard Uhl angeklagt. Dieser lies den beliebten Postboten versetzen und schickte eine ungelernte und unbeholfene weibliche Vertretung. Briefe und Pakete wurde zu Dutzenden falsch zugestellt und mussten von den Bürgern zu den richtigen Adressaten gebracht werden. „Haben wir so eine Behandlung verdient“, fragte Bauer. Sein Mandant habe jahrelang die Rentenschecks gebracht und so viele Rentner glücklich gemacht, meinte der Verteidiger. Beim Austausch der Post sei das ganze Dorf zusammengewachsen. Am Malheur sei die EU schuld, urteilte der Richter. Nur wegen der Frauenquote wurde eine jahrhundertealte Männerdomäne aufgegeben. Als Folge kam besagte „Post-Domina“ zum Zug. Deshalb sprach er den Postbeamten unter lautem Jubel der Bevölkerung frei. Ferner wurde per Eilverfahren der RöSeNa-Präsident Peter Bauer angeklagt. Weil dieser beim Narrengericht als Staatsanwalt fungiert, musste er dazu seine Robe ablegen. Bauer wurde vorgeworfen, er habe versäumt, die „Sechtafeger“ zu ehren. Im Verteidigungsplädoyer hieß es, Bauer sei von seiner Frau im Keller eingesperrt gewesen. Die Nachbarin diente als Vorbild. Sie sperre immer ihren Hund ein, wenn dieser läufig ist. Zur Strafe musste die Familie Bauer dem Wilden Heer auf der Stelle einen Karton besten Schaumwein überreichen. Ob diesen Bauer oder dessen Frau Ilse bezahlt, war dem Gericht egal.

© Schwäbische Post 04.03.2014