12.02.2015 - SCHWÄBISCHE POST

Rösena zeigt ihr ganzes Können

Prunksitzung der Röhlinger Sechtanarren vor vollem Haus und mitreisenden Auftritten

Röhlingen ohne Narren, das wäre wie die Sechta ohne Wasser. Am Mittwochabend war Prunksitzungspremiere bei den Sechtanarren in Röhlingen. Volles Haus, launige Bütten, perfekte Garden: So macht Fasching Spaß. Am Ende der Sitzung gab es dennoch Tränen.

Von Peter Ilg

Ellwangen-Röhlingen. Wir befinden uns im Jahr 2015 n. Chr, Karl Cäsar hat das gesamte Gebiet am Oberlauf der Jagst besetzt… Das gesamte Gebiet? Nein! Das von Unbeugsamen bevölkerte Dorf Röhlingen hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Einmal im Jahr krönen sie ihren eigenen Herrscher …
„Diesmal könnte doch unser Druide Eugen Miraculix den Prinzen machen“, tuschelt der kleine und listige Frieder Asterix seinem dicksten Freund Walter Obelix zu. Und schon klopfen die beiden Prinzenmacher an der Hütte des Wunderheilers in Killingen. „Blutspender um diese Zeit“, fragt der schlaftrunken. „Nein“, antworten die beiden biertrunken, „wir setzen dir die Krone auf“!
Und hier steht er auf der Bühne, Prinz Eugen Miraculix I. An seiner Seite die liebliche Prinzessin Bettina I. In ihrer Proklamation rufen sie ein Freudenfeuer an Spaß aus. Peter Bauer, Präsident der Rösena begrüßt die Gäste im Saal. Oberbürgermeister Karl Hilsenbek, den lokalen Fürsten Hans-Peter Müller „und gleich einen ganzen Bürgermeisterstammtisch voll aus den umliegenden Gemeinden“. Viele Faschingsgesellschaften sind mit Abordnungen vertreten und mischen sich im Saal mit phantasievoll kostümierten Narren. Bienen schwirren herum, Pilze schießen aus dem Boden, Engel und Teufel in trauter Einigkeit Stuhl an Stuhl.
Sitzungspräsident Roland Brenner freut sich, eine neue Partnerin gefunden zu haben: Aus Franz Schwarz, wurde Corinna Weiß. Sie kündigt die jüngste der sechs Rösena-Garden an: die Minigarde. Zu „Schöne Maid“ marschieren die freudestrahlenden Mädchen in ihren rot-weißen Kleidern auf und absolvieren ihr Programm mit Bravour. Ebenso die Kindergarde, gewandet in grün-weiß, selbstverständlich springt jedes Mädchen in den Spagat.
Julius Hillenbrand beklagt sich in seiner Kinderbütt, „Für alles bin ich viel zu jung.“ Nur für die Schule, da sei er alt genug. Dann wird es dunkel im Saal. Mit dem Licht verschwindet der Sechtakarneval, Fasching aus Italien zieht ein. Die Jugendgarde entführt zum Maskenball nach Vendig. Goldene Leggins unter prachtvollen Kleidern, die Gesichter halb verborgen hinter Masken. „Bello e impossibile“, Gänsehaut pur.
Aus den Lausbuben vergangener Jahre wurden „die Männer vom Bau“. Johannes Gerold, Jean-Luca Scheibli und Maximilian Maile gehen ganz weit zurück in ihrer Bütt: „Hätte Adam deutsches Bier besessen, hätte er den Apfel nie gegessen.“ Prost und Tusch von der Sitzungskapelle Tonics.
Tarzan und Jane, begleitet von einer Horde süßer Affen, der Showtanz der Minigarde. Es geht um die Liebe und wie man sie auf der Suche nach sich selbst unverhofft finden kann. Prachtvoll die Gewänder, perfekt der Tanz.

Zum ersten Mal Mutter und Tochter in der Bütt
Mit Uschi und Sophie Wünsch treten zum ersten Mal in der 45-jährigen Rösena-Vergangenheit Mutter und Tochter gemeinsam in die Bütt. „Seit ich 60 bin, muss ich mich bei Untersuchungen beim Doktor oben rum nicht mehr freimachen. Jetzt reicht es, wenn ich die Zunge rausstrecke“, klagt die Mutter.
Im fetzigen Showtanz zu Hipp-Hopp-Liedern aus den 1990ern treffen sich Boys mit Girls. Die Hälfte der Kindergarde steckt in Mädchen-, die andere in Jungen-Kostümen.
Nach der Pause machen die „Röhling Stones“ mit Guggenmusik Stimmung. Prachtvoll der gemeinsame Showtanz von Prinzengarde und 1. Garde als Zirkusclowns. Sie zeigen Akrobatik auf Einrädern, Pedalos und bei Hebefiguren. „Sechs Kilo zuviel“ ist das Motto des Büttenredner-Ehepaars Ursula und Franz Uhl. Er trägt ein T-Shirt mit dem Aufdruck ‚Feinkost Gewölbe‘ an der angebrachten Stelle. Seiner Frau hält er vor: „Bauch, Beine, Po hast du schon. Jetzt tu mal was fürs Gesicht.“ Er selber mache parallel drei Diäten, „weil man von einer nicht satt wird“.
Sportlich fit wirbelt die Jugendgarde über die Bühne. Während das nicht mehr ganz taufrische Trio Manuela Huppenberger, Lisa Bühler und Beate Rathgeb seinen Marktwert beim Tanzkaffee im Gasthaus „Waldesruh“ testen wollte. Nun ja, wenn man die Traummaße eines Mannes mit 95/20/42 (Alter/Millionen Euro/Fiebertemperatur) ansetzt, wird es schwer, den passenden zu finden. Zu „Whiskey in the Jar“ wirbelt die Prinzengarde und das Männerballett hebt ab über die Wolken als Flieger „und Himmelsstürmer mit Kultstatus“, wie Sitzungspräsident Brenner meint.
Benny Kurz führt den Taktstock an der Trommel beim Auftritt der Röhlinger Bauernmusikanten. Eine Gruppe junger Frauen und Männer, die zum ersten Mal auftreten und das bestimmt wieder tun. Denn es gibt reichlich Applaus für ihre Musik.
Kurz vor Mitternacht geht die Prunksitzung höchst emotional zu Ende. Die zehn Mädchen der 1. Garde tanzen zum letzten Mal. „Wir waren sechs, sieben Jahre alt, als wir 1997 unseren ersten Auftritt hatten“, sagt Ramona Vaas. 18 Jahre standen sie auf der Bühne. „Danke für diese schöne Zeit, Rösena“, sagte sie. Danke für eure Auftritte, denken alle im Saal.
Und wieder einmal endet das Abenteuer Prunksitzung mit einem rauschenden Fest - und einer einzigen Sorge: „Dass uns der Himmel auf den Kopf fällt“, sagt der kleine Frieder Asterix. Er hat gut lachen, ihn würde es als Letzten treffen.

Regenten und Trainerinnen: Das Prinzenpaar sind Bettina I & Eugen I., das Kinderprinzenpaar Marlene I & Matthäus I. Trainerinnen sind Sandra Feil, Lisa Maile & Vera Maile (Minigarde), Ramona Vaas & Vera Schlotter (Kindergarde), Marlene Bühler & Jacqueline Kurz (Jugendgarde), Tina Schlotter (Prinzengarde), Kathrin Gösele (1. Garde), Nicole Bühler & Sandra Rathgeb (Männerballett).